Auf der Welle nach Bornholm – ONE4ALL gewinnt Langstreckenregatta Rund Bornholm.

Auf der Welle nach Bornholm – ONE4ALL gewinnt Langstreckenregatta Rund Bornholm.

Die unter dem MSC Stander segelnde 49ft Rennyacht siegt unter harten Bedingungen im Langstreckenklassiker Rund Bornholm.
 

Montag 9. Juli 2012, 1310 MESZ, Warnemünde
Start zwischen Warnemünde Mittelmole und Fahrwassertonne 19 zur Langstreckenregatta hanseboot Rund Bornholm der Nachwuchscrew auf der Ausbildungsyacht ONE4ALL (J/V 49) des Sailing Team Germany. An Bord: Zwei mal „Altcrew“, Skipper Matthias Horstmann (MSC), Taktiker Sören Sörensen und 10 mal „Jungcrew“ im Alter von 17 bis 25 (Sven, Hauke B., Hasso, Moritz, Hauke L., Philipp, Fridtjof, Tom, Kristina, Jan). Alle sind positiv gespannt, der Spi geht hoch und ab geht’s.

Die nächsten 12 Stunden … - Kurs Bornholm
Der pinke Rumpf rast seit Darßer Ort unter Spi durch's Wasser bei 33 kn Wind aus West und 3 Meter See Richtung Bornholm und immer wieder erscheint auf der Geschwindigkeitsanzeige der Wert jenseits der magischen 20-Knoten-Grenze, 21,6 kn Top-Speed! Z.T. steuert und trimmt die Nachwuchs-Crew die 49-Fuß Yacht komplett alleine, wenn die „Alt-Crew“ auch mal eine Pause braucht. Dass sich die Jungs beim Gleiten auf der Welle bei perfekten Spi-Bedingungen euphorisches Jubeln nicht verkneifen können, verwundert nicht.

1910 MESZ, 54°45,47' N, 013°15,54'E
Die Entscheidung des Tages ist gefallen (den Teilnehmern steht es frei in welcher Richtung die Insel umrundet wird), die ONE4ALL entscheidet sich für den Uhrzeigersinn.

2305 MESZ, 54°32,36' N, 012°37,24'E
„Wo sind die Löffel?“ „In der Verpflegungskiste.“ „Da sind sie nicht!“ „Dann in Warnemünde...“ Also ist Kreativität gefragt und so wird Fertigsuppe und Kartoffelbrei wenige Minuten später mit schnell gebauten Löffeln aus leeren PET-Flaschen, Lattenstopfern und Tape gefuttert.

Dienstag 10. Juli 2012, 0120 MESZ, 54°32,36' N, 012°37,24'E
Der Spi geht nach 12 Stunden runter, alle sind im Race-Modus auf der Kante und die ONE4ALL luvt an. Schnell noch den von der Wettfahrtleitung geforderten Zeitpunkt der Peilung des Leuchtturms Hammerodde in180° notiert, dann heißt es die beste Position für die nächsten drei Stunden auf der Kante zu finden. Kurz darauf ein rotes Licht in der Dunkelheit – das Backbord-Positionslicht des ersten Schiffes aus dem 65-Yachten großen Starterfeld. War die Entscheidung Uhrzeigersinn die richtige?

0400 MESZ, 55°01,9' N, 015°09,2' E
Nicht mehr lang bis zur Passage der Südspitze Bornholms, wo noch einmal ein Peilungszeitpunkt notiert werden muss, diesmal Leuchtturm Dueodde in 360°. Nach dem Zieleinlauf erfährt die Crew, dass sich ungefähr hier aus irgendeinem Grund der Tracker, den jedes Boot in der Wettfahrt dabei hat, den Geist aufgegeben hat. Ebenfalls im Nachhinein beim Durchblättern des Blogs auf der Wettfahrthomepage bemerken die jungen Segler, dass ihr Verschwinden von der Karte durchaus Besorgnis bei dem ein oder anderen Beobachter zuhause ausgelöst hat.

0500 MESZ, Bornholm umRUNDdet!
Das härteste Stück der Regatta beginnt, bei dem anhaltenden Westwind hat sich eine steile Welle aufgebaut, die der gesamten Crew zu schaffen macht und alles abverlangt. Bei bis zu 33 Knoten gegen an kein Wunder, dass sich der ein oder andere für eine Weile in die Koje verabschiedet. Die Crew entscheidet sich Rügen anzusteuern, wo sich die See und somit auch die Mägen wieder beruhigen.  

0910 MESZ 54°43,3' N, 014°27,5'E
Mahlzeit auf der Kante: Hauke L. stellt fest, dass der hohe Ölzeug-Kragen der perfekte „Müsli-Schutz“ gegen fliegende Haferflocken von vorne ist, wenn die weiter vorne sitzende Crew bei Wind von vorn das Frühstück löffelt. Der aufmerksame Leser weiß, womit...
 
1900 MESZ, 54°38,55' N, 012°51,15' E
Das Ziel naht, die Flaute auch. Der Optimismus noch im Hellen in Warnemünde anzukommen verfliegt mit jedem Zehntel Knoten, den der Wind abnimmt.

Mittwoch 11. Juli 2012, 0452 und 17 Sekunden MESZ: Zieleinlauf!
Nach knapp 40 Stunden ist die junge Crew um ca. 270 Seemeilen und die erste gemeinsame Langstreckenerfahrung an Bord der ONE4ALL reicher und ahnt, dass das Ergebnis der 65 gestarteten Yachten gut ausfallen wird. Die am Donnerstag bekanntgegebenen Ergebnisse: 1. Platz über alles nach Yardstick, 2. Platz nach ORC über alles, 2. Platz in ORC Klasse 1, als 3. Yacht im Ziel sowie der Kyria-Preis der Warnemünder Woche lassen sich dann auch wirklich sehen und machen die Nachwuchssegler stolz auf die Leistung. Nur die Information, dass bei Bornholm eine der teilnehmenden Yachten gesunken sein soll, löst leichte Beklemmung aus und macht der Crew bewusst, welche Gefahren – und treten sie auch noch so selten auf - das Offshore Segeln birgt.
Das einzige, was jetzt noch Verwirrung hervorruft ist das Datum: Soll man sich heute oder morgen nach eine „kurzen“ Schlafpause zum Klar-Schiff machen treffen?

Fazit: Wir haben es gerockt! Und: Langstrecke lässt definitiv das Zeitgefühl verschwimmen...

K.Müller/M.Horstmann